Page 55 - weihnachtsordner
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Weihnachten 1946

Gleich nach dem Krieg, im 46er Jahr
hat es noch nichts zu essen gegeben, und das ist wahr!
Da war ja das schon allerhand,
wenn du mit einem Bauern warst verwandt.
Nicht zu verachten war da auch, ein Onkel aus Amerika.

Wer das nicht weiß, der ist jetzt still, wenn ich meine Story
euch erzähl.

Am Heiligen Abend, ich schrei Hurra,
ein Päckchen aus Amerika
von unserer lieben Tante Rose gefüllt mit hoffnungsvollen Dosen
Ich reiß es gleich auf recke meinen Hals,
oben drauf gleich drei Pfund Schmalz,
ein Kilo Bohnenkaffee schau
eine große Dose mit Kakao.
Und neben dran, ach du gute Seele
eine Büchse mit Olivenöl
eine ganz große Dose Reis, zwei Kilo Mehl
wie Schnee so weiß.

Das alles schrieb die Tante Rose
höchst eigenhändig auf die Dose.
Bloß von der Weißblechdose unten,
da war der Zettel halt verschwunden.

--------was könnte jetzt in der Dose sein?
Stecke halt einmal die Nase rein!
Und hab es probiert, gleich ein paar mal
das Pulver war geruchsneutral.
Das war nicht sauer und nicht süpß
hat geschmeckt wie eingeschlafene Füße.

So haben wir uns den Kopf zerbrochen,
was können wir aus dem Pulver kochen?
Meine Frau meinte, das könnte ein Schmankerl sein
da kochen wir jetzt mal einen Brei,
und haut auch gleich mit Milch und Ei
das Pulver in die Pfanne rein.
Befolgt auch noch den Rat der Oma
gibt dazu eine Prise Zimtaroma,
rührts glatt nund mit ein wenig Schmalz
tut dazu eine Prise Salz - und mit
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