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Märchen modern

                Als Rotkaeppchen gerade dabei war, in ihr Produktionsprogramm auch die
                Einfuehrung einer Pausengymnastik mit aufzunehmen, erschien der boese Wolf.
                "Freundschaft" -sagte der Wolf.
                "Was machst du denn hier?"
                "Ich entwickle Initiative zum Besuch der Grossmutter und versuche neue Wege zu
                beschreiten."
                "Lass uns eine Plandiskussion fuehren ueber den komplexen Einsatz bei der
                Veteranin." antwortete der Wolf, "Wir wollen beide als Kollektiv ein
                Kulturprogramm aufstellen und in Kooperation ein
                agitatorisch-propagandistisches Programm erstellen. Es stuermt die Hoehen der
                Kultur!"
                Doch im gleichen Augenblick wurde ihm ein Verbesserungsvorschlag bewusst. Er
                setzte den oekonomischen Hebel an und veraenderte den Planentwurf dahingehend,
                dass er im programmatischen Vorgehen in Teilabschnitten erst die Grossmutter und
                dann das Rotkaeppchen seinen Versorgungsplaenen einverleiben wollte. So verstiess

                er gegen die Richtlinien des Jugendfoerderungsprogramms, und Rotkaeppchen sah
                sich allein gelassen.
                Kurz darauf stand der verbrecherische Wolf vor dem Wohnblock, in dem die
                Grossmutter durch Beziehung im Veteranenclub eine Parterrewohnung bekommen
                hatte. Eingedeckt der Devise "Jeder Mann an jedem Ort, einmal in der Woche
                Sport" sprang er durch das -entgegen den Vorschriften der staatlichen
                Versicherung der DDR- offenstehende Fenster.
                Mit der kranken Grossmutter liess er sich auf keine Diskussion ein, sondern
                diktierte der Grossmutter unter Missachtung der Beratung durch die
                Fuehrungsgremien einseitig seine Meinung, indem er sie einfach auffrass. Danach
                versuchte der gefaehrliche Agent sich zu tarnen. Er zog Grossmutters Nachthemd
                aus Dederon an und legte sich mit dem Krankenschein der SVK in der Pfote ins
                Bett.
                Nach einer kurzen Weile, in dem Bestreben, die Wartezeit zu verkuerzen, betrat
                auch Rotkaeppchen die AWG-Wohnung der Grossmutter. Als Rotkaeppchen die
                unrealistische Grossmutter erblickte, erschrak es sehr.
                "Grossmutter, warum hast du so grosse Augen?"
                "Ich habe eine Halbtagsbeschaeftigung als Gueterkontrolleur angenommen!"
                "Aber Grossmutter, warum hast du dann so grosse Ohren?"
                "Ich betaetige mich als ehrenamtlicher Mitarbeiter des Ministeriums fuer
                Staatssicherheit!"
                "Grossmutter, warum hast du aber einen so grossen Mund?"
                "Weisst du denn nicht, dass ich Chefkommentator beim demokratischen Rundfunk
                war?
                "
                Der Wolf beendete die kaempferische Auseinandersetzung durch positive
                Ueberzeugungsarbeit, indem er auch das Rotkaeppchen mit Haut und Haaren
                auffrass.
                Dann legte er sich schlafen und produzierte Schnarchtoene der Gueteklasse "Q" im
                Weltmassstab.
                Mit einem "Spatz" vom VEB Simson-Suhl kam auf der Suche nach einer
                Vertragswerkstatt ein Mitglied des Jagdkollektivs daher. Zufaellig fuehrte der
                Jaeger seine Thaelmannsuperflinte 2. Wahl mit sich. Dem Wolf wurde das zum
                Verhaengnis, da er es an der noetigen Wachsamkeit hatte fehlen lassen. Mit Hilfe
                der Hinweise aus der Bevoelkerung gelang es dem Jaeger, den Wolf zu
                identifizieren und als Geheimagent der imperialistischen Ultras zu entlarven.
                Er realisierte die Toetung der scheusslichen Bestie und befreite das Rotkaeppchen
                und die Grossmutter aus dem Leibe des boesen Wolfes. Doch bevor sie den Tag der
                Befreiung mit Erstellung eines Kulturprogramms feierten, verfasste das
                Rotkaeppchen einen Artikel fuer die "Junge Welt", mit dem sie Kritik ihrer
                falschen Verhaltensweise annahm und sich vom vertrauensseligen Versoehnlertum
                dem Wolf gegenueber distanzierte.
                Der Jaeger hatte durch seine Befreiung der Grossmutter und des Rotkaeppchens 2
                Arbeitskraefte aus der nacharbeitenden Bevoelkerung zusaetzlich erschlossen und
                damit einen Zuwachs um etwa 2000,63 Mark erzielt. Er erhielt eine Praemie von
                300,- Mark, ausserdem wurde ihm fuer seine Tat eine Aufbaustunde im Rahmen
                seiner
                Selbstverpflichtung im NAW angerechnet. Die Grossmutter zeichnete freiwillig
                einen Betrag zugunsten der Volkssolidaritaet, und das Rotkaeppchen liess sich von

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