Page 278 - Witzeboxx 2017
P. 278

Märchen modern

                In-Verse vor, dann wurde dem getreuen Knappen Wolfram das
                Koordinaten-Kreuz verliehen (das Faden-Kreuz hatte er schon).
                Fuer die Bewohner der Stadt wurde ein grosses Laby-Rind
                gebraten, und in dem riesigen Dampfkessel brodelte ein fettes
                Essen aus Konkav-Linsen und Tang-Enten. Es wurde mit Hilfe von
                Belichtungs-Messern und Stimmgabeln verzehrt. Zum Nachtisch
                wurden Lack-Mus und Re-Torten gereicht. Die Kapelle einigte sich
                auf den richtigen New-Ton und spielte bis zum fruehen Morgen flotte
                Loga-Rhythmen. Am naechsten Tag berichtete die hydraulische Presse
                in allen Einzelheiten ueber das grosse Ereignis.

                Das Maerchen von Eddy Wirbelstrom und Ionchen

                Es war einmal zur Zeit t=0 ein armer, aber rechtschaffener Vierpol namens
                Eddy Wirbelstrom. Er bewohnte einen bescheidenen moeblierten Hohlraum mit
                Dielektrikum und fliessend kaltem und warmem Saettigungsstrom. In der
                kalten Jahreszeit musste er fuer die Erwaermung der Sperrschichten extra
                zahlen. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit Transduktorverstaerkung. Eddy liebte
                mit der ganzen Kraft seiner Uebergangsfunktion Ionchen.
                Ionchen, die induktive Spule mit dem kleinsten Fehlwinkel im ganzen Kreise
                und die Tochter der einflussreichen EMK. Ihr remanenter Ferritkoerper,
                ihre symmetrischen Impedanzen und ihre ueberaus harmonischen Oberwellen
                brachten auch schon ausgediente Leydener Flaschen zu Ueberschlaegen im
                Dielektrikum (was viel heissen will) ! Ionchens Vater, Cosinus Phi, bekannter
                Industriemagnet und Leistungsfaktor
                hatte allerdings schon konkrete Schaltplaene fuer die Zukunft seiner
                Tochter. Sie sollte nur einer anerkannten Kapazitaet mit ausgepraegtem
                Nennwert angeschlossen werden. Aber wie so oft, der Zufallsbetrieb wollte
                es anders. Als Ionchen eines Tages mit ihrem Mikrofahrrad vom Friseur nach Hause
                fuhr, sie hatte sich eine neue Sinushalbwelle legen lassen, da geriet
                ihr ein Saettigungszahn in die Filterkette. Aber Eddy Wirbelstrom, der
                die Gegend frequentierte, eilte mit minimaler Laufzeit hinzu, und es
                gelang ihm, Ionchens Kippschwingung noch vor dem Maximum der Amplitude
                abzufangen und gleichzurichten. Es ist sicher nicht dem Zufall zuzuschreiben, dass
                sie sich bald
                wiedersahen. Eddy lud Ionchen zum Abendessen ins "Goldene Integral" ein.
                Aber das Integral war bekanntlich geschlossen. "Macht nichts", sagte
                Ionchen, "ich habe zu Mittag fast 0,2 Kilohertz gegessen und die
                Saettigungsinduktion bis jetzt gehalten und ausserdem muss ich auf meine
                Feldlinien achten". Unter irgendeinem Vorwand lud Eddy sie daraufhin zu einer
                Rundfahrt im
                Rotor ein. Aber Ionchen lehnte ab: "Mir wird bei der zweiten Ableitung
                immer so uebel". Und so unternahmen sie, ganz entgegen den Schaltplaenen
                von Vater Cosinus Phi, einen kleinen Frequenzgang ins naheliegende
                Streufeld. Der Abend senkte sich ueber die komplexe Ebene und am Himmel
                erglaenzten
                die Sternschaltungen. Nur ein einsamer Modulator flog vorbei, sanft
                plaetscherten die elektromagnetischen Wellen und die Roehren rauschten
                leise. Bei der Wheatstoneschen Bruecke genossen Eddy und Ionchen innig die
                leitende Verbindung. Und wenn sie nicht gedaempft wurden, dann schwingen sie
                noch heute.

                Dornroeschen

                Das muss ein ziemlich nobler Schuppen gewesen sein, wo die die Taufe
                gefestet haben. Mit dem Kind das hatte am Anfang nicht so richtig
                geklappt. Vielleicht war die Dame schon zu alt oder mit den Hormonen hat
                was nicht gestimmt. Jedenfalls war jetzt alles unheimlich happy und liess
                so richtig die Sau raus.
                Unheimlich viele People waren eingeladen, aber eine von den Tanten hatten
                se wieder ausgeladen, weil sie kein Geschirr mehr fuer die hatten. Und wie
                das mit der Verwandtschaft so ist, die alte Schachtel war wohl unheimlich
                sauer, hat nen ziemlichen Terror gemacht und rumgekeift: Das Kind sollte
                sich, wenns 15 ist, an sonem spitzen Ding stechen und tot umfallen. Dann
                war ihr das wohl ein bischen zu dicke und sie hat gesagt, nicht tot,
                sondern nur 100 Jahre pennen sollte se. Und wie das Baby 15 war und so ne

http://www.udo-woehrle.de/witze/Witzebox/MEHR_MAERCHEN.HTM[25.02.2017 10:49:43]
   273   274   275   276   277   278   279   280   281   282   283